Paul Jakob Eisner

Den ersten Antrag auf sogenannte Wiedergutmachung und Entschädigung stellte Paul Jakob Eisner aus Argentinien, wohin er vor den Nationalsozialist*innen geflohen war.

Schwarzweißfotografie eines zerstörten Wohnhauses, links weitere Ruinen von Gebäuden. Das vordere Haus hat keine Fenster und kein Dach mehr
Fotografie des im Krieg zerstörten Gebäudes Große Querallee 2, des ehemaligen Wohnhauses von Paul Jakob Eisner und seiner Familie, 1950. Landesarchiv Berlin, B Rep. 202 (Fotos) Nr. 94-03839; Fotograf: Möbius & Willmanowski

Sogenannte Wiedergut-machung

In den 1950er Jahren stellte Paul Jakob Eisner von Buenos Aires aus Anträge auf sogenannte Wiedergutmachung und Entschädigung. Er unternahm auch Reisen nach Deutschland, um sich persönlich für die zügige Durchführung dieser Verfahren einzusetzen.

Die Wiedergutmachungsbehörden versuchten Personen, die laut der Niederschrift zur Versteigerung von Eisners Besitz am 2. April 1941 Objekte erworben hatten, zu ermitteln. Doch die vom Amt gefundenen Personen gaben an, sich an nichts erinnern zu können, keine Objekte bei der Versteigerung erworben zu haben oder aber, dass der Besitz durch Kriegsfolgen verloren sei. Daher erfolgten keine Restitutionen. Auch die Nachverfolgung der Versteigerung bei Hans W. Lange am 19. Mai 1941 blieb ohne Erfolg.

Paul Jakob Eisner starb am 29. Juli 1965 während eines Aufenthalts in Kreuzlingen in der Schweiz. Er erlebte den Abschluss einer „Wiedergutmachung“ oder Entschädigung Ende der 1960er Jahre nicht mehr. Seine Schwester Berta übernahm das Verfahren. Nach ihrem Tod am 5. November 1965 setzten ihre Kinder die Bemühungen fort, bis sie in einem Vergleich endeten.

Lokalisierung eines Gemäldes

An den Recherchen zu einem einzigen Gemälde aus Paul Jakob Eisners Besitz wird deutlich, welche Wege ein solches Objekt nach seinem Raub gehen konnte. Der Fall Paul Jakob Eisner zeigt aber auch, welche Möglichkeiten sich ergeben, wenn Museen und andere öffentliche Einrichtungen heute mehr und mehr ihre Bestände online stellen. Interessierte und Wissenschaftler*innen weltweit können sich dadurch mit diesem kulturellen Erbe beschäftigen. Auf diese Weise kann aber auch transparenter werden, wie dieses Erbe in die Einrichtungen gelangte. Für die Provenienzforschung und das Bemühen um die Erfüllung berechtigter Restitutionsansprüche bedeutet dies einen fundamentalen Fortschritt.

Aus den Potsdamer Akten konnten die OFP-Forscherinnen nicht ablesen, wer das Stillleben von Ludwig Adam Kunz bei Hans W. Lange erworben hatte. Durch Recherchen in Datenbanken wie der des Deutschen Historischen Museums (DHM) gelang ihnen jedoch der Nachweis, dass das Gemälde im Jahr 1941 unter der Linz-Nr. 1951 in das Inventar des „Sonderauftrags Linz“ aufgenommen wurde. Aus den Daten des DHM ist auch ablesbar, dass die Kunsthändlerin Maria Almas-Dietrich das Gemälde erworben hatte. Im Rahmen des „Sonderauftrags Linz“ hatte Almas-Dietrich regelmäßig bei Auktionen Kunstobjekte ersteigert, die in ein geplantes „Führermuseum“ in Linz aufgenommen werden sollten.

Auch der weitere Weg des Bildes ließ sich in der Datenbank des DHM nachvollziehen: Nach dem Krieg hatten die westlichen Alliierten das Gemälde im Bergungsort Salzbergwerk Altaussee gefunden und es zum Central Collecting Point nach München transportiert, wo es am 24. Oktober 1945 registriert, fotografiert und mit der München-Nr. 11772 versehen wurde.

Zu dem Zeitpunkt der Registrierung im Central Collecting Point konnte der rechtmäßige Eigentümer, also Paul Jakob Eisner, durch die Mitarbeitenden vor Ort nicht ermittelt werden. Das Bild wurde daher am 7. Juni 1949 an die Jewish Restitution Successor Organization (JRSO) in Nürnberg übergeben.

Schwarzweißfotografie eines Gemäldes. Die Malerei stellt tote Vögel, einen Hummer und Obst dar.
Im Central Collecting Point gefertigte Abbildung eines Stilllebens von Ludwig Adam Kunz, 24. Oktober 1945. Kunstverwaltung des Bundes, Berlin, Registratur, Fotokartei des Central Collecting München, Mü.-Nr. 11772
  • Karteikarte mit der Aufschrift „Property Card“. Verschiedene Felder sind in unterschiedlichen Handschriften ausgefüllt.

    Property Card zu dem Stillleben von Ludwig Adam Kunz, 24. Oktober 1945. BArch, B 323/666, Bl. 267

  • Karteikarte, in unterschiedlichen Handschriften ausgefüllt

    Rückseite der Property Card zu dem Stillleben von Ludwig Adam Kunz, 24. Oktober 1945. BArch, B 323/666, Bl. 267v

    Screenshot aus der Lost Art-Datenbank mit dem Eintrag zum Stillleben von Ludwig Adam Kunz
    Fundmeldung zum Stillleben von Ludwig Adam Kunz in der Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, Stand: 13. März 2026

    Provenienzforschung erfolgreich

    Erst Anfang der 2020er Jahre, fast sechzig Jahren nach Eisners Tod, konnten einschlägige Datenbanken der Provenienzforschung bei der Suche nach dem Gemälde helfen. Eine Suchmeldung in der Lost Art-Datenbank gab Aufschluss über die Provenienz und den Verbleib des Bildes: Das Stillleben von Ludwig Adam Kunz gelangte durch die JRSO an das Bezalel National Museum, Vorgänger des heutigen Israel Museums in Jerusalem. Die Provenienzforscherinnen im OFP-Projekt informierten das Museum, um kurz darauf mithilfe der Commission for Looted Art in Europe einen Erben der Familie Eisner zu ermitteln.

    Das Museum restituierte das Gemälde von Ludwig Adam Kunz im Jahr 2023 an die Erb*innen. So konnte das Bild, 83 Jahre nach dem Raub durch die Nationalsozialist*innen, wieder in das Eigentum der Familie zurückkehren.

    Hier erfährst du Weiteres zum Fall von Paul Jakob Eisner