Familie Loewy
Die letzten Spuren, die sich von Hugo Loewy finden, sind Eintragungen in verschiedenen bürokratischen Dokumenten: sein Name auf einer Transportliste in das Ghetto TheresienstadtDas sogenannte Altersghetto Theresienstadt wurde in der alten Garnisonsstadt im heutigen Terezin (Tschechien) als größtes Konzentrationslager (KZ) im Protektorat Böhmen und Mähren errichtet. vom 2. September 1942 sowie auf der Transportkarte dorthin. Der achtzigjährige Hugo Loewy wurde vermutlich direkt nach seiner Ankunft im Vernichtungslager TreblinkaTreblinka II war eines der größten Vernichtungslager der Nationalsozialist*innen. Ende September 1942 ermordet – ältere Menschen wurden dort nicht zum Arbeitsdienst ausgewählt.

Sein Sohn Fritz Loewy war im August 1940 nach Oslo geflohen, im Glauben, dort sicher zu sein. Doch die nationalsozialistischen Truppen hatten im Frühjahr 1940 Norwegen besetzt. Loewy wurde gefasst und am 26. November 1942 nach AuschwitzAuschwitz ist der Name des größten und bekanntesten nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers. deportiert. Wie sein Vater wurde er ermordet.
Hugo Loewys Schwiegertochter Sylvia Loewy-Garai überlebte nur aufgrund ihrer amerikanischen Staatsbürgerschaft. Sie suchte nach der DeportationZwangsweise Verschleppung von Menschen durch staatliche Behörden aus ihrem Wohn- oder Herkunftsort auf ein anderes Staatsgebiet oder in entlegene Regionen. ihres Mannes beharrlich nach ihm, auch als Fritz Loewy schon längst ermordet worden war. Davon erzählen zahlreiche Postkarten, die sie ihm an Adressen schrieb, an denen sie ihn vermutete.
Hugo Loewys Tochter, Käthe Löwenstein, überlebte mit ihrem Mann Hans Löwenstein in der Emigration.


Das Rückerstattungs-verfahren
Hugo Loewys Schwiegertochter Sylvia Loewy-Garai stellte 1953 einen Antrag auf Rückerstattung bei den Berliner Wiedergutmachungsämtern. Unterstützt wurde sie dabei von Loewys Tochter Käthe Löwenstein. Beide traten als Erbinnen von Hugo Loewy auf.
Sowohl Sylvia Loewy-Garai als auch Käthe Löwenstein befanden sich nach ihrer Flucht vor der NS-Verfolgung weiterhin im Ausland, als sie den Antrag auf Rückerstattung stellten. Wie üblich, setzten sie einen Bevollmächtigten in Deutschland für das Verfahren ein.
Kunstwerke und anderes Vermögen
Sylvia Loewy-Garai gab vor einem Wiedergutmachungsamt ihre Erinnerungen zur Wohnungseinrichtung ihres Schwiegervaters zu Protokoll und ergänzte sie mit einer Liste der beschlagnahmtenDurch die Beschlagnahme von Vermögen wurde den Besitzer*innen vorerst die Verfügungsgewalt über dieses entzogen und unter staatliche Verwaltung gestellt. und veräußerten Gegenstände. Darunter befanden sich auch die Gemälde. Sie befinden sich auf der Rückseite des Schreibens und wurden einzeln und mit Angaben zu Maßen und Rahmenart aufgeführt.
Die Wiedergutmachungsämter versuchten einige der damaligen Käufer*innen zu kontaktieren, etwa Käthe Malzbender, die Frau des Wirtschaftsprüfers Ludwig Malzbender, oder den SS-Obersturmführer Johannes Schertl. Doch ihre Bemühungen führten nicht zum Erfolg.


Nach Abschluss der Wiedergutmachungs- und Entschädigungsverfahren leisteten die Ämter Zahlungen an die Erbinnen. Die Kunstwerke konnten jedoch bis heute nicht wiedergefunden werden. Vermutlich befinden sie sich nach wie vor in Privatbesitz.
Durch eine Internetrecherche konnte ein möglicher Hinweis gefunden werden: Im Jahr 2012 versteigerte das Auktionshaus Ketterer ein Gemälde von Franz Skarbina mit dem Titel „Durchgang in der Fischerstrasse (Berlin)“, dessen Datierung und Maße mit dem Bild aus dem Besitz Hugo Loewys übereinstimmen. Ob es sich tatsächlich um das gesuchte Werk handelt, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Das Gemälde gelangte nach der Auktion in Privatbesitz.
Sylvia Loewy-Garai starb 1977 in Oslo, fast 35 Jahre nach ihrem Mann.