Ausbürgerungsabteilung Finanzamt Moabit-West / Vermögensverwertungsstelle des OFP Berlin-Brandenburg

Ab August 1933 war eine eigene Dienststelle im Finanzamt Moabit-West reichsweit für die Einziehung des Vermögens von Ausgebürgerten zuständig. Unter der Leitung von Oberregierungsrat Willy Böttcher entwickelte sich die Dienststelle zu einem effektiven Werkzeug zur Beraubung jener Menschen, die vor der NS-Verfolgung aus Deutschland flüchteten. Die Dienststelle trug zuerst die Bezeichnung „Ausbürgerungsabteilung“ und wurde später in „Dienststelle für die Einziehung verfallener Vermögenswerte Ausgebürgerter“ umbenannt.

Diese Dienststelle sollte sich aller Vermögenswerte – also Bargeld, Bankkonten und Aktien ebenso wie Gegenstände – bemächtigen, die nicht bereits für die Deckung der Reichsfluchtsteuer oder der Judenvermögensabgabe herangezogen wurden. Rechtlich wurde der Vermögensraub bis dahin vor allem durch das Ausbürgerungsgesetz vom 26. Juli 1933 geregelt.

Erfahre hier mehr zu den Gesetzen

Im Zuge der Deportationen aus dem deutschen Reichsgebiet vereinfachte der NS-Staat mit der Elften Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25. November 1941 diesen Raub: Mit der Verordnung entzog der Staat pauschal allen im Ausland befindlichen deutschen Jüdinnen*Juden die Staatsangehörigkeit und ihr Vermögen.

1942 wurde die Ausbürgerungsabteilung des Finanzamtes Moabit-West in die neu gegründete Vermögensverwertungsstelle des OFP Berlin-Brandenburg überführt.

Diese war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr reichsweit, sondern nur noch für den Entzug von Vermögen der Geflüchteten und Deportierten aus Berlin und Brandenburg zuständig.

1944 waren bei der Vermögensverwertungsstelle mehr als 200 Personen damit beschäftigt, das letzte Hab und Gut der Deportierten der Staatskasse zuzuführen. Bis zur Kapitulation Deutschlands beteiligten sie sich geflissentlich an der Ausplünderung der Verfolgten. Sie verkauften Grundstücke, besichtigten Wohnungen und ließen sie räumen, beauftragten Versteigerungen oder versteigerten gleich selbst.

Schwarzweißfotografie eines repräsentativen Gebäudes im Stil des preußischen Historismus
Finanzamt Moabit-West in der Luisenstraße 33/34 (bis 1941), unter dem NS-Regime auch Amtssitz der Ausbürgerungsabteilung, um 1896. Architektenverein zu Berlin: Berlin und seine Bauten. Der Hochbau, Teil 2: Öffentliche Bauten, Berlin 1896, S. 76
  • Maschinenschriftliches Dokument mit zwei Listen von Namen; Durch- und Anstreichungen in roter Farbe

    Erste und zweite Seite eines Umlaufs – also einer Akte zur Weitergabe innerhalb der Behörde – der Vermögensverwertungsstelle; aufgeführt als Adressat*innen sind Sachbearbeiter, Mitarbeiter, Registratoren, Hilfsarbeiter und Schreibkräfte, 1944. Landesarchiv Berlin A Rep. 093-03, Nr. 54682, Bl. 499

  • zweite Seite eines Umlaufs – also einer Akte zur Weitergabe innerhalb der Behörde – der Vermögensverwertungsstelle; aufgeführt als Adressat*innen sind Sachbearbeiter, Mitarbeiter, Registratoren, Hilfsarbeiter und Schreibkräfte, 1944. Landesarchiv Berlin A Rep. 093-03, Nr. 54682, Bl. 499