Führermuseum Linz „Sonderauftrag Linz“

Für ein „Führermuseum“, das nach dem Krieg in Linz errichtet werden sollte, wurde der „Sonderauftrag Linz“ als eigene Organisation geschaffen, die besondere Kunstwerke für das Museum zusammentragen sollte. Der „Sonderauftrag Linz“ sicherte sich erst vergleichsweise spät den Zugriff auf von der NS-Finanzverwaltung geraubte Kunst- und Kulturgüter. Es sind nur wenige Akten überliefert, die eine aktive Auswahl von Objekten für die Museumssammlung durch die Vermögensverwertungsstelle dokumentieren.

Eines der wenigen Dokumente, die eine Anweisung in Bezug zum „Sonderauftrag Linz“ enthalten, ist direkt im Bestand der Vermögensverwertungsstelle überliefert. In der Akte von Frieda Bradt findet sich die Abschrift eines Schreibens des Reichministers der Finanzen vom Juli 1943. Er informiert sämtliche Oberfinanzpräsidenten über die priorisierte Stellung des „Sonderauftrags“. Neben Kunstwerken und Kunstsammlungen fielen nun auch Münz- und Medaillensammlungen unter den sogenannten Führervorbehalt.

Maschinenschriftliches Dokument im Querformat

Abschrift des Schreibens vom Reichsminister der Finanzen an die Oberfinanzpräsidenten, 16. Juli 1943. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 4162, Bl. 57

Karteikarte, in unterschiedlichen Handschriften beschrieben
Rückseite der Property Card Art des Central Collecting Points Munich zum Stillleben von Ludwig Adam Kunz, 24. Oktober 1945. BArch, 323/666, S. 540

Meist waren es andere Wege, über die Kunstwerke zum „Sonderauftrag“ gelangten, beispielsweise über die behördlichen Versteigerungen oder über den Kunstmarkt.

Ein Beispiel ist der Fall des Stilllebens von Ludwig Adam Kunz aus dem Besitz von Paul Jakob Eisner. Die Kunsthändlerin Maria Almas-Dietrich erwarb im Mai 1941 das Stillleben auf der zwangsweisen Versteigerung bei Hans W. Lange. Sie vermittelte das Gemälde weiter an das „Führermuseum“, wie aus der im Central Collecting Point München 1945 geführten Karteikarte hervorgeht.