Story

Fritz Kurt Lomnitz

Fritz Kurt Lomnitz arbeitete im Vorstand einer Getreidegesellschaft. Er ließ 1933 für sich und seine Familie in Berlin-Grunewald eine Villa bauen, die er mit einigen Kunstwerken ausstattete. 1938 flohen Lomnitz und seine Frau vor der Verfolgung über New York nach Kuba. Eines der Kunstwerke aus dem Besitz der Familie Lomnitz tauchte in einem Berliner Museum wieder auf.

Ausschnitt eines Dokuments: Unterschrift von Fritz Kurt Lomnitz

Fritz Kurt Lomnitz

Geboren:
7. Januar 1890 in Breslau/Schlesien (heute Wrocław, Polen)
Gestorben:
Unbekannt
Letzter Wohnort:
Lassenstraße 1a, Berlin

Im Getreidegeschäft

Ausschnitt eines Dokuments: Unterschrift von Fritz Kurt Lomnitz
Eigenhändige Unterschrift von Fritz Kurt Lomnitz aus dem Wiedergutmachungsverfahren, 1. Dezember 1953. Landesarchiv Berlin, B Rep. 025-05, Nr. 2128/50, Bl. 23

Über das Leben von Fritz Kurt Lomnitz ist nur wenig bekannt. Am 7. Januar 1890 wurde er als Sohn von Henriette und Bruno Lomnitz in Breslau geboren und besuchte dort die Realschule. Er absolvierte eine Ausbildung zum Kaufmann im Bereich Getreide- und Futtermittelhandel. Mit Kriegsbeginn 1914 meldete Lomnitz sich zunächst als Freiwilliger im Funkbataillon. Es folgte eine militärische Laufbahn bis zur Tätigkeit für das Auswärtigen Amt. Für seinen militärischen Dienst wurde er nach eigenen Angaben mit drei Orden ausgezeichnet.

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte Lomnitz sein 1912 begonnenes Arbeitsverhältnis im Getreide- und Bankunternehmen Gebr. Berlinicke & Ehrenhaus in der Linkstraße 11 in Berlin fort.

Seine anschließende Position im Vorstand der M. Sperling Getreide-Aktiengesellschaft, die in der Burgstraße 26 in Berlin-Mitte ihre Geschäftsräume hatte, ermöglichte ihm und seiner Familie einen gehobenen Lebensstil.

Im Januar 1916 ging Lomnitz eine Ehe mit Sophie Parthey ein, die eine Tochter mit in die Ehe brachte. Jedoch trennte sich das Paar und Lomnitz heiratete im Juni 1922 Gertrud Friedländer. Doch auch diese Ehe hielt nicht und Lomnitz heiratete in dritter Ehe Johanna Mückenbrunn.

Ausschnitt aus einer Seite des Handelsregisters: Name und Kontaktdaten der Firma Sperling.
Ausschnitt Berliner Handelsregister, Eintrag der Firma M. Sperling Getreide-Aktiengesellschaft. Berliner Handels-Register, Ausgabe 1930, 66. Jahrgang, S. 1002

Villa im Grunewald

Fritz Kurt Lomnitz ließ im Grunewald in der Lassenstraße 1a durch den Breslauer Architekten Edgar Hönig eine Villa errichten, in der er ab 1933 mit seiner Familie lebte. Das Gebäude umfasste acht Räume, darunter ein sogenanntes Herren- und Kaminzimmer, eine Bibliothek mit handgeschnitzten Türen und einen Blumenwintergarten umschlossen von Kristallglas.

Jedes Bild, jede Bronce, die Beleuchtungskörper, waren ausgesuchte Kunstgegenstände.

Fritz Kurt Lomnitz im WGA-Verfahren, 1. Dezember 1953. Landesarchiv Berlin, B, Rep. 025-05 Nr. 2128/50, Bl. 22
Plan mit schwarzer Zeichnung eines Gebäudes in zwei Ansichten; handschriftliche Anmerkungen in Blau und Grün sowie Stempel
Straßenansicht Villa Lassenstraße/Schwedlerstraße, 1954. Bauarchiv Charlottenburg-Wilmersdorf, Band 57, Nr. 1624, Bd. II, Bl. 6

Möbel im Florentiner Stil und Barock, Seidenwandbespannung, Antiquitäten, Ölgemälde, Silber und Porzellan, Bronzeleuchter und Teppiche hatte Lomnitz sorgfältig für die Ausstattung ausgewählt. Auch technisch war das Haus auf dem neuesten Stand, unter anderem mit einem elektrischen Herd in der Küche und einer zentralen Warmwasserheizung.

Großformatiger Plan mit schwarzer Zeichnung eines Gebäudes in verschiedenen Ansichten und Grundrissen; handschriftliche Anmerkungen in Blau und Grün sowie Stempel
Architektenplan des Gebäudes Lassenstraße 1a, vor 1937 Siemensstraße 1, oben mittig die Unterschrift des Bauherren Lomnitz, mit Ansichten und Grundrissen, 1932. Bauarchiv Charlottenburg-Wilmersdorf, Band 57, Nr. 1624, Bd. I, Bl. 21

Verfolgung und Flucht nach New York

Mit dem Machtantritt der Nationalsozialist*innen wurde Fritz Kurt Lomnitz als jüdisch verfolgt. Zu der zunehmenden Entrechtung gehörte früh der Verlust seiner Arbeit: Im Jahr 1936 war er gezwungen, seine Firma zu verlassen. Seine Villa im Grunewald musste er aufgrund antisemitischer Gesetze verkaufen, sie ging 1940 an seine Stieftochter aus erster Ehe über. Im August 1938, noch bevor die Novemberpogrome viele Jüdinnen und Juden endgültig zur Emigration drängten, floh Fritz Kurt Lomnitz mit seiner dritten Ehefrau Johanna mit einem Besuchervisum in die USA. Von New York aus versuchte er sein Umzugsgut, das er in Berlin zurückgelassen hatte, über die Speditionen A. Schäfer und Willy Kulka in die USA transportieren zu lassen.

Zu der geplanten Verschiffung des Umzugsgutes nach Übersee kam es jedoch nicht mehr.

  • Maschinengeschriebenes Dokument mit vorgedrucktem Briefkopf; handschriftliche Ergänzungen in verschiedenen Farben. Vorderseite

    Mitteilung der Geheimen Staatspolizei an das Finanzamt Moabit-West über die beschlagnahmten Vermögenswerte, 5. März 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 2

  • Maschinengeschriebenes Dokument mit vorgedrucktem Briefkopf; handschriftliche Ergänzungen in verschiedenen Farben. Rückseite

    Mitteilung der Geheimen Staatspolizei an das Finanzamt Moabit-West über die beschlagnahmten Vermögenswerte, 5. März 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 2v

  • Vorgedrucktes Dokument mit maschinenschriftlichen Eintragungen sowie Unterschrift und Stempel

    Beglaubigte Abschrift der Verfügung über den Einzug des Vermögens, 24. November 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 34

    Beschlagnahme des Umzugsguts

    Die Geheime Staatspolizei beschlagnahmte am 5. März 1941 auf der Grundlage der Einziehungsgesetze von 1933 das bei den Speditionen lagernde Umzugsgut der Familie Lomnitz.

    Anschließend ordnete das Finanzamt Moabit-West dessen Versteigerung an.

    Am 24. November 1941 wurde der offizielle Einzug von Fritz Lomnitz’ Vermögen durch die Gestapo bekannt gegeben. Doch schon vorher hatte Lomnitz nicht mehr auf seine Vermögenswerte zugreifen oder deren „Verwertung“ durch das Finanzamt Moabit-West verhindern können.

    Nur wenig später lieferten die Speditionen Willy Kulka und A. Schäfer mehrere Kisten mit Umzugsgut von Familie Lomnitz in die Westfälische Straße 85. Dort lagerten sie bis zur Versteigerung durch das Auktionshaus Union, Leo Spik.

    Kleinformatiges vorgedrucktes Rechnungsdokument mit maschinenschriftlichen Eintragungen sowie handschriftlichen Ergänzungen und Stempel
    An das Finanzamt Moabit-West adressiertes Rechnungsschreiben der Spedition A. Schäfer, 22. April 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 9
    Vorgedrucktes Rechnungsdokument mit maschinenschriftlichen Eintragungen sowie handschriftlichen Ergänzungen
    An das Finanzamt Moabit-West adressiertes Rechnungsschreiben der Spedition Willy Kulka, 18. April 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 8

    Das Gutachten – eine handschriftliche Notiz als Hinweis

    Bevor die Versteigerung des beweglichen Vermögens von Familie Lomnitz stattfand, erstellte der Sachverständige Bruno Ritter am 5. Mai 1941 in den Räumen des Versteigerungshauses ein Gutachten über die wertvollsten Objekte. Dabei taxierte er auch einige Gemälde.

    Nicht bei allen Bildern konnte der Gutachter erkennen, wer sie gemalt hatte. Bei einigen las er offenbar nur die Signatur des Künstlers ab – und dies teilweise nicht sehr genau.

    Wie in seinen Gutachten üblich, schloss Bruno Ritter mit der formalen Feststellung, „dass hochwertiges Kulturgut sowie wertvolle Kunstschätze nicht enthalten sind“. Damit waren auch die Gemälde zur Versteigerung freigegeben.

    Vorgedrucktes Dokument mit maschinenschriftlichen Eintragungen sowie Unterschrift und Stempel

    Gutachten von Bruno Ritter, 5. Mai 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 17

    Versteigerung bei Leo Spik

    Einen Tag nach der Begutachtung durch den Kunstsachverständigen Bruno Ritter, versteigerte Leo Spik, Inhaber des Auktionshauses Union in Berlin, am 6. Mai 1941 das gesamte Umzugsgut des Ehepaares Lomnitz.

    Das Versteigerungsprotokoll enthält nur wenige detaillierte Informationen zu ca. hundert Losen. Auch die vorab taxierten Kunstwerke sind dort lediglich als „Ölbild“ aufgeführt. Durch die Übereinstimmung der Losnummern von Gutachten und Versteigerungsprotokoll können dennoch die Kunstwerke und Käufer*innen einander zugeordnet werden.

    • Maschinenschriftliches Dokument mit Unterschrift und handschriftlicher Notiz
      Schreiben des Auktionshauses Union an das Finanzamt Moabit-West, Herrn Moser, 14. Mai 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 12
    • Maschinengeschriebenes Dokument, Liste, mit Stempel und handschriftlichen Ergänzungen
      Abschrift der Versteigerungsniederschrift von Union, 6. Mai 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 13
    • Maschinengeschriebenes Dokument, Liste, mit Stempel und handschriftlichen Ergänzungen
      Abschrift der Versteigerungsniederschrift von Union, 6. Mai 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 14
    • Maschinengeschriebenes Dokument, Liste, mit Stempel und handschriftlichen Ergänzungen
      Abschrift der Versteigerungsniederschrift von Union, 6. Mai 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 15
      Maschinengeschriebenes Dokument, Liste, mit Stempel und handschriftlichen Ergänzungen

      Abschrift der Versteigerungsniederschrift von Union, 6. Mai 1941. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24496, Bl. 13

      Insgesamt erzielte diese Versteigerung einen Erlös von 9.124 RM. Abzüglich der Gebühren von zehn Prozent für den Versteigerer Leo Spik wurden 7.940 RM an die Reichsfinanzkasse gezahlt. Auffallend ist, dass die Person „Ohloff“ mit Abstand die meisten Kunstwerke im Wert von insgesamt 735 RM erwarb.

      Die einst so sorgfältig ausgewählte Sammlung von Möbeln, Kunstobjekten und weiteren Einrichtungsgegenständen von Familie Lomnitz war binnen weniger Stunden zerschlagen und an verschiedenste Privatpersonen verkauft worden.

      Ob die Suche nach den Bildern erfolgreich war, erfährst du im Kapitel Verantwortung.