The System

Vermögensverwertungsstelle / Finanzamt Moabit West

Black-and-white photograph of a representative building in the Prussian historicist style. Swastika flags are flying at half-mast on the roof.

Front view of the headquarters of the Vermögensverwertungsstelle, Alt-Moabit 143–145, approx. 1935. German Federal Archives , picture 183-2007-0719-501, photographer: n.a. Bundesarchiv, Bild 183-2007-0719-501, Fotograf: o. A.

Coordinated plunder

The expropriation of assets was a coordinated process planned and implemented by various government agencies. Despite interests that sometimes diverged, they worked hand in hand. Their common goal was to deprive people the regime did not consider as belonging to Nazi society of their material livelihood and to rob them of their possessions. In this process, the Reich financial administration played a central role.

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Story

Vermögensraub per Verordnung

In Frakturschrift gedrucktes Gesetzblatt; Anstreichungen in roter Farbe
Gesetz über die Einziehung kommunistischen Vermögens in the Reichsgesetzblatt of 26 May 1933, annotations by Fritz Moser, senior administrative officer of the Vermögensverwertungsstelle. Berlin State Archive, A Rep. 093-03 no. 54682, fol. 4

Gesetze und Verordnungen spielten beim Vermögensraub eine zentrale Rolle, um den Anschein von Legalität zu wahren. Das nationalsozialistische Regime hatte bereits wenige Wochen nach seinem Machtantritt ein ganzes Instrumentarium von Regeln erlassen, auf die sich das Finanzamt Moabit-West und die Vermögensverwertungsstelle berufen konnten und die ihnen den Zugriff auf Vermögen von „Reichsfeinden“ ermöglichten. Die Gesetze und Erlasse wurden immer wieder erweitert und den Erfordernissen angepasst.

Law gazette printed in Gothic script; markings in red ink.
Expatriation Act in the Reichsgesetzblatt (Reich Law Gazette), 14 July 1933, with annotations by Fritz Moser, senior administrative officer of the Vermögensverwertungsstelle. LAB A Rep. 093-03 no. 54682, fol. 4v

Dieses Gesetz ermöglichte es, Einbürgerungen aus der Zeit zwischen 1918 und 1933 rückgängig zu machen. Zudem konnte Deutschen, die im Ausland lebten, die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen werden, „sofern sie durch ein Verhalten, das gegen Pflicht und Treue zum Reich und Volk verstößt, die deutschen Belange geschädigt haben“. Was das bedeutete, bestimmten die jeweils agierenden nationalsozialistischen Amtsträger. Wurde eine Person ausgebürgert, so konnte ihr in Deutschland verbliebenes Vermögen beschlagnahmt und anschließend als dem Reich „verfallen“ erklärt werden. Mit der „Verwertung“ des Vermögens wurde bis Anfang 1942 das Finanzamt Moabit-West betraut.

Abschrift des Ausbürgerungsantrages der Gestapo-Leitstelle Potsdam für Jakob Goldschmidt, 18. Juli 1939. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 12990, Bl. 3v

Abschrift des Ausbürgerungsantrages der Gestapo-Leitstelle Potsdam für Jakob Goldschmidt, 18. Juli 1939. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 12990, Bl. 3a

Das Gesetz über die Einziehung kommunistischen Vermögens erlaubte es, Vermögen der Kommunistischen Partei Deutschlands und ihrer Mitglieder einzuziehen. Der Geltungsbereich wurde durch das Gesetz über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens auf alle Vermögenswerte ausgedehnt, die zu „volks- und staatsfeindlicher Bestrebungen gebraucht oder bestimmt sind“. Eingezogen wurden diese Vermögen bis 1942 durch die Länder mithilfe der Gestapo. Ab April 1942 übernahm die Reichsfinanzverwaltung diese Aufgabe. Beide Gesetze wurden auch beim Raub der letzten Habseligkeiten der deportierten Jüdinnen*Juden angewandt: Der Staat erklärte sie kollektiv zu „Volks- und Staatsfeinden“.

Law gazette printed in Gothic script; markings in red ink.
Gesetz über die Einziehung kommunistischen Vermögens in the Reichsgesetzblatt of 26 May 1933, annotations by Fritz Moser, senior administrative officer of the Vermögensverwertungsstelle. Berlin State Archive, A Rep. 093-03 no. 54682, fol. 4
Vordruck, maschinenschriftlich ausgefüllt, Stempel der Geheimen Staatspolizei oben links und unten mittig, unten rechts von einem Gestapobeamten unterschrieben

Einziehungsverfügung Recha Storck, 1. Februar 1943. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 37426, Bl. 10

Vordruck, maschinenschriftlich ausgefüllt, mit handschriftlichen Ergänzungen und Unterschrift in Bleistift

Zustellungsurkunde für Recha Stork, 7. September 1943, ausgehändigt durch den Obergerichtsvollzieher. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 37426, Bl. 10v

Typed document, list of Oberfinanzpräsidenten at the bottom.
Transcript of the decree of 4 November 1941, to a total of fourteen Oberfinanzpräsidenten (Senior Finance President). BArch R 2-ANH./7, fol. 77

Der Deportationserlass des Reichsfinanzministers vom 4. November 1941 legte in Grundzügen das Verfahren zur Ausplünderung der deportierten Jüdinnen*Juden durch die lokalen Oberfinanzpräsidenten fest. Die rechtliche Grundlage für den Vermögensentzug bildeten die Einziehungsgesetze aus dem Jahr 1933. Hier wurde auch festgelegt, dass bürokratisch korrekt jeder Person vor ihrer Deportation eine Verfügung über die Einziehung ihres Vermögens zugestellt werden musste. Zudem regelte dieser Erlass, wie die geraubten Gegenstände „verwertet“ werden sollten.

Maschinenschriftliches Dokument, Seite 4 von 5

Seite 4 der Abschrift des Erlasses vom 4. November 1941 mit Anweisung zur Organisation des Vermögensraubs in der Reichsfinanzverwaltung. BArch R 2-ANH./7, Bl. 78v

Maschinenschriftliches Dokument, Seite 5 von 5

Seite 5 der Abschrift des Erlasses vom 4. November 1941 mit Anweisungen bezüglich Kunst- und Kulturgütern. BArch R 2-ANH./7, Bl. 79

Die Elfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz sollte das Verwaltungsverfahren zum Zugriff auf Vermögen von Ausgewanderten und Deportierten vereinfachen. Jüdinnen*Juden, die sich dauerhaft im Ausland aufhielten, wurde somit die Staatsangehörigkeit aberkannt und ihr Vermögen „verfiel“ automatisch dem Reich. Damit sollten Einziehungsverfügungen bei den Deportierten sowie aufwändige Einzelausbürgerungen vermieden werden. In der Praxis konnte diese Regelung aber nicht auf ausländische Staatsangehörige oder auf Jüdinnen*Juden angewendet werden, die nicht ins Ausland, sondern beispielsweise nach Theresienstadt deportiert wurden. Hier galten weiterhin die Regelungen des Deportationserlasses vom November 1941.

Excerpt from a law gazette printed in Gothic script.
Elfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz of 25 November 1941 in the Reichsgesetzblatt. RGBl. 1941 I, p. 722.

“Verwertung” of art and cultural assets

Art and cultural assets have left clear traces in the files of the Vermögensverwertungsstelle (Asset Realisation Office). The documentation of paintings, prints, sculptures, and books in auction records, sales negotiations, and appraisal reports of the Nazi financial administration forms an important starting point for provenance research.

As with all other “bewegliche Sachen” (movable property) the financial administration sought to make the most efficient and profitable “Verwertung” (liquidation) possible. Numerous regulations and official instructions governed the transfer and sale of art and cultural assets in great detail.

Financial officials were required to document the steps involved in the sale of art and cultural assets. Depending on the intended method of “Verwertung” the level of detail in the documentation in the surviving archives varies. However, the more detailed description of individual works of art was always less of a focus than the method of “Verwertung” and the estimated and actual prices achieved.

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Graphic depicting the process of “Verwertung” by means of a circular red line with an arrow; at the beginning of the arrow, various images illustrate possessions, including a necklace and a bag representing jewellery and valuables. Above the images are the words “Jüdisches Vermögen” (Jewish property). At the end of the arrow are the words “wird Volksgut” (becomes the property of the people)
Propaganda diagram in a report by the Trust Office of the Jewish Community of Prague to the Central Office for the Regulation of Jewish Affairs, 1943. Yad Vashem, Jerusalem, O.7.c z./ 133, Appendix, p. 1