Das OFP-Projekt

Provenienzforschung in Akten der Vermögensverwertungsstelle

Das OFP-Projekt hat seinen Namen von einer NS-Finanzbehörde: Der OberFinanzPräsident Berlin-Brandenburg (OFP) war als regionale Finanzbehörde ab 1942 für die „Verwertung“ des Vermögens der emigrierten und deportierten NS-Verfolgten zuständig. Eigens dafür richtete der OFP Anfang 1942 die Vermögensverwertungsstelle als Dienststelle ein. Sie dokumentierte ihre Arbeit Fall für Fall in personenbezogenen Akten, die heute im Brandenburgischen Landeshauptarchiv überliefert sind. Auf Grundlage dieser Akten widmet sich das OFP-Projekt seit 2020 der systematischen und digitalen Provenienzforschung zu während des Nationalsozialismus geraubten Kunstwerken.

Der vollständige Projekttitel lautet:

Elektronische Auswertung der personenbezogenen Akten der Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg (1933 bis 1945) zur Ermittlung von Kunstbesitz und zur Lokalisierung von NS-Raubkunst

Wissenschaftliche Erschließung einer zu digitalisierenden Massenquelle im Brandenburgischen Landeshauptarchiv, Potsdam

Pilotprojekt

Projektziel

Ziel ist es, Hinweise zu aktuellen Standorten von Kunstobjekten zu finden, die von den Nationalsozialist*innen geraubt wurden. Die Recherchen sollen die besitzenden Institutionen – zumeist Museen und Bibliotheken, aber auch andere öffentliche Einrichtungen – unterstützen, mit den Nachkommen der Verfolgten und Enteigneten „faire und gerechte Lösungen“ im Sinne der Washingtoner Prinzipien zu finden.

Die Ergebnisse aus diesen Recherchen senden die Forscherinnen unmittelbar den heutigen sammlungsbewahrenden Einrichtungen zu. Im Fokus stehen hierbei öffentliche Institutionen, die mit den Verfolgten bzw. ihren Nachfahren „gerechte und faire Lösungen“ gemäß den Washingtoner Prinzipien zu den geraubten Objekten finden sollen.

Neben der unmittelbaren Meldung der Rechercheergebnisse an öffentliche Museen, Bibliotheken etc. erfassen die Forscherinnen systematisch die in den vorliegenden Quellen verfügbaren Daten zu NS-Raubkunst: Angaben zu Kunstobjekten selbst, Informationen zu deren Besitzer*innen sowie Hinweise zu ihrem Verbleib. Über die Akten der nationalsozialistischen Vermögensverwertungsstelle hinaus konsultieren die Forscherinnen in einzelnen Fällen weitere Quellenbestände, etwa die Akten der Wiedergutmachungsämter von Berlin. Die so gesammelten Forschungsdaten sollen als Arbeitsgrundlage und Ergänzung für weitere Provenienzforschung beispielsweise aus der Perspektive einer öffentlichen Einrichtung dienen.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Üblicherweise geht die Provenienzforschung zu NS-Raubkunst von einem konkreten Werk aus und versucht, dessen Herkunft und Eigentumsverhältnisse zu klären. Das OFP-Projekt jedoch wertet systematisch jene Akten aus, die die NS-Finanzverwaltung zum Raub und zur „Verwertung“ des Eigentums der Emigrierten und Deportierten angelegt hat.

In den historischen Akten lassen sich konkrete Objekte, Hinweise zu ihren rechtmäßigen Eigentümer*innen, aber auch Hinweise zu den Käufer*innen oder dem Verbleib der Werke finden. Diese Informationen bilden die Grundlage für weitere gezielte Recherchen und die Rekonstruktion des heutigen Standortes

Projektgegenstand

Gegenstand der Forschung sind die Unterlagen des Bestandes Rep. 36A Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg (II) Vermögensverwertungsstelle, die im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam verwahrt werden. Es handelt sich um rund 42.000 personenbezogene Akten, die die Arbeit der nationalsozialistischen Vermögensverwertungsstelle und damit die „Verwertung“ des Vermögens von als jüdisch oder reichsfeindlich verfolgten Personen dokumentieren.

Um die Akten auszuwerten und Hinweise zu heutigen Standorten geraubter Kunst- und Kulturgüter zu ermitteln, wurden die Dokumente digitalisiert und mit einer elektronischen Texterkennung (Optical Character Recognition – OCR) durchsuchbar gemacht. Das Projektteam hat ein spezielles Auswertungstool entwickelt, mit dem die Provenienzforscherinnen die Akten digital durchsuchen. Zuvor haben Restauratorinnen die rund 2,7 Millionen Aktenseiten begutachtet, gereinigt und restauriert.

Im Rahmen des Projekts war es zudem möglich, den größten Teil der erschlossenen, restaurierten und digitalisierten Akten über die Onlinerecherche des Brandenburgischen Landeshauptarchivs zugänglich zu machen.

Finanzierung

Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) fördert das Projekt von 2019 bis 2026 mit rund 4,4 Millionen Euro. Das Land Brandenburg hat das Projekt in den Jahren 2019 und 2020 über eine Anschubfinanzierung mit insgesamt 100.000 Euro unterstützt.

Hier geht es zur Projektwebsite.