Museen

Museen finden sich in den Akten der Vermögensverwertungsstelle als direkte Käufer von geraubten Kunst- und Kulturgütern.

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In einigen Fällen nahmen Museen eine privilegierte Position ein. Die Vermögensverwertungsstelle unterrichtete sie über als wertvoll eingestufte Kulturgüter, die sie beschlagnahmt hatte. So konnten öffentliche Museen und andere staatliche Kultureinrichtungen vor den Versteigerungen auf diese Objekte zugreifen.

Beispielsweise erwarb das Focke-Museum in Bremen 1942 eine Barockkommode aus dem im Bremer Freihafen lagernden Umzugsgut von Ernst Georg Zadek vor der öffentlichen Versteigerung.

Neben diesem direkten Zugriff auf die entzogenen Kulturgüter konnten Museen auch über Umwege in den Besitz dieser Gegenstände gelangen. Von Kunst- und Antiquitätenhändler*innen auf den Versteigerungen der NS-Finanzverwaltung erworbene Kunstwerke fanden häufig indirekt ihren Weg in öffentliche Sammlungen.

Dokument mit wenigen maschinenschriftlichen Zeilen

Das Focke-Museum in Bremen erwarb die Barockkommode für 800 RM, März 1942. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 41083, Bl. 34

Maschinenschriftliches Dokument: tabellarische Auflistung von vierzehn Positionen an Kunstwerken, ihrer Erwerber*innen und der Erlöse

Erste Seite des 25-seitigen Versteigerungsprotokolls zum Besitz von Bruno Cassirer, 1. März 1944, BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 6227, Bl. 131v

Staatliche Museen zu Berlin

Von der Antikenabteilung bis zum Münzkabinett: Verschiedene Sammlungsbereiche der Staatlichen Museen zu Berlin hinterließen in den Akten der Vermögensverwertungsstelle ihre Spuren.

In erster Linie war dabei die Expertise der Museumsmitarbeitenden gefragt. Manchmal folgte auf ein Gutachten auch ein Ankauf durch die jeweilige Abteilung – das zeigen exemplarisch die Fälle der Münzsammlung von Emil Julius Gumbel und der Antikensammlung von Ferdinand Mainzer.

Kurt Regling, Direktor des Münzkabinetts im Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin, erwarb 1934 nach Begutachtung einige der Münzen aus Emil Julius Gumbels beschlagnahmtem Besitz für die Museumssammlung.

In die Antikenabteilung der Staatlichen Museen zu Berlin gelangten 1943 Teile der Antikensammlung von Ferdinand Mainzer, bevor die Sammlung zur Versteigerung kam.

Maschinenschriftliches Anschreiben mit Briefkopf des Kaiser-Friedrich-Museums, unterschrieben
Schreiben von Kurt Regling an das Finanzamt Moabit-West zur Münzsammlung Gumbel, 25. September 1934. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 13017, Bl. 71
Maschinenschriftliches Dokument: Auflistung von neunzehn Positionen, unten und links handschriftliche Anmerkungen.

Neunzehn Antiken aus dem Besitz von Ferdinand Mainzer für die Staatlichen Museen zu Berlin, 1. März 1943. Berlin BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 24852, Bl. 36

Wie war die Islamische Abteilung der Staatlichen Museen am Verkauf des Kunstbesitzes von Oskar Skaller beteiligt? 

Führermuseum Linz „Sonderauftrag Linz“

Für ein „Führermuseum“, das nach dem Krieg in Linz errichtet werden sollte, wurde der „Sonderauftrag Linz“ als eigene Organisation geschaffen, die besondere Kunstwerke für das Museum zusammentragen sollte. Der „Sonderauftrag Linz“ sicherte sich erst vergleichsweise spät den Zugriff auf von der NS-Finanzverwaltung geraubte Kunst- und Kulturgüter. Es sind nur wenige Akten überliefert, die eine aktive Auswahl von Objekten für die Museumssammlung durch die Vermögensverwertungsstelle dokumentieren.

Eines der wenigen Dokumente, die eine Anweisung in Bezug zum „Sonderauftrag Linz“ enthalten, ist direkt im Bestand der Vermögensverwertungsstelle überliefert. In der Akte von Frieda Bradt findet sich die Abschrift eines Schreibens des Reichministers der Finanzen vom Juli 1943. Er informiert sämtliche Oberfinanzpräsidenten über die priorisierte Stellung des „Sonderauftrags“. Neben Kunstwerken und Kunstsammlungen fielen nun auch Münz- und Medaillensammlungen unter den sogenannten Führervorbehalt.

Maschinenschriftliches Dokument im Querformat
Abschrift des Schreibens vom Reichsminister der Finanzen an die Oberfinanzpräsidenten, 16. Juli 1943. BLHA, Rep. 36A (II) Nr. 4162, Bl. 57
Karteikarte, in unterschiedlichen Handschriften beschrieben
Rückseite der Property Card Art des Central Collecting Points Munich zum Stillleben von Ludwig Adam Kunz, 24. Oktober 1945. BArch, 323/666, S. 540

Meist waren es andere Wege, über die Kunstwerke zum „Sonderauftrag“ gelangten, beispielsweise über die behördlichen Versteigerungen oder über den Kunstmarkt.

Ein Beispiel ist der Fall des Stilllebens von Ludwig Adam Kunz aus dem Besitz von Paul Jakob Eisner. Die Kunsthändlerin Maria Almas-Dietrich erwarb im Mai 1941 das Stillleben auf der zwangsweisen Versteigerung bei Hans W. Lange. Sie vermittelte das Gemälde weiter an das „Führermuseum“, wie aus der im Central Collecting Point München 1945 geführten Karteikarte hervorgeht.